Neue Crew, neues Wachsystem

von Max Müller am 23.06.2022 / in Allgemein

Wie war das doch vorgestern: „Die Zeit an Bord vergeht wie im Flug (oder vom Winde verweht), und wegen des neuen Wachsystems bleibt kaum Zeit zum Schreiben.“

Was ist denn dieses Mal anders, fragt ihr euch? So einiges.

Zum einen ist die Crew etwas kleiner und besteht inklusive uns beiden Skippern seit Ponta Delgada nur noch aus fünf statt neun Leuten. Unsere „großen“ Atlantiküberquerer sind mittlerweile (hoffentlich) alle wieder wohlbehalten in der Heimat angekommen und genießen dort Landleben, Wiedersehen mit Freunden und Familien und täglich frische Duschen und Klamotten.

Zu neunt hatten wir ja noch den Komfort von drei Wachteams (2 x 2, 1 x 3 Personen), Peter auf permanent Stand-by und Katrin neben der anfänglichen Wachunterstützung mit Zeit fürs Kochen, Bloggen, Wetterrouting. Die Wachteams (ihr erinnert euch? – Team Fisch, Baum & Haifischflosse) hatten jeweils vier Stunden Schicht, danach acht Stunden Pause, und das für mehrere Tage zur selben Uhrzeit, so dass sich schnell eine Bord- und Wachroutine etabliert hatte.

Na gut, Routine haben wir mittlerweile mit unseren „kleinen“ Atlantiküberquerern auch, wenn auch eine routierende.

Würden wir die vier-Stunden-Schicht beibehalten, müsste einer von uns fünf die Schicht alleine machen, was vor allen Dingen nachts ziemlich zäh und ermüdend wäre und für die Konzentration nicht gerade förderlich. Bei dem routierenden System aber gibt es alle zwei Stunden neue Gesellschaft. Das sieht dann für die ersten 24 Stunden so aus:

20:00: Peter
22:00: Peter & Guido
24:00: Guido & Flavio
02:00: Flavio & Natalie
04:00: Natalie & Katrin
06:00: Katrin & Peter
08:00: Peter & Guido
10:00: Guido & Flavio
12:00: Flavio & Natalie
14:00: Natalie & Katrin
16:00: Katrin & Peter
18:00: Peter & Guido
20:00: Guido & Flavio
…usw…

Wer mitgezählt hat wird feststellen, dass zwischen den einzelnen Schichten einer Person nun immer nur noch sechs Stunden liegen. Brutto. Denn natürlich brauchen wir vor der Schicht immer noch ein bisschen Zeit zum Fit werden, Kaffee kochen, Zähne putzen… und nach der Schicht (je nach Uhrzeit), um eine Kleinigkeit zu snacken, eine leichte Bettschwere zu finden, zu duschen, Wetter zu ziehen…

Damit bleiben dann netto noch um die fünf Stunden. Die von der ganzen Crew hauptsächlich mit Schlafen verbracht werden, ganz nach dem Motto: Nutze die Gelegenheit, wenn du sie hast.

Wir wollen ehrlich sein, das routierende System ist schon deutlich anstrengender, und trotzdem hat es auch seine Vorteile. Zumindest sieht man alle Mitsegler im Laufe der Stunden mal kurz und hat außerdem während der Schicht zwei Mal zwei Stunden die Gelegenheit, um sich (noch) besser kennenzulernen, auszutauschen, Segel- und Wetterstrategien zu besprechen oder einfach nur gemeinsam aufs Meer zu blicken.

An unserer Tradition, gemeinsam Abend zu essen, halten wir natürlich trotzdem fest, weiterhin normalerweise der einzige Zeitpunkt des Tages, an dem die ganze Crew beisammen ist. Normalerweise. Heute hat das schöne Wetter mal kurz alle gleichzeitig aus den Kojen gelockt, und so wurde mit vereinten Kräften das Segel gesetzt (s. Titelbild, ganz spontan und ungestellt :-)).

Auf dem Bild zu sehen: Natalie, Flavio und Guido, unsere kleinen großen Atlantiküberquerer. Eine super Truppe, teilweise schon mit viel Segelerfahrung, viel Wissbegier Neues zu lernen, trotz Schlafmangels immer guter Laune, lieb und hilfsbereit, die Stimmung klasse… Wir sind happy, dass ihr in Horta auf uns gewartet habt und mit euch auf diesem Stück Atlantik unterwegs zu sein!

Die Ankunft auf Madeira rückt übrigens auch in greifbare Nähe. 160 Meilen trennen uns noch vom Ziel. Wenn es so weiter läuft, sind morgen Nacht vielleicht die Leinen schon fest, dann können wir alle fünf wieder gleichzeitig und mehr als fünf Stunden am Stück schlafen 🙂

PS: der Upload des Titelbildes funktioniert leider nicht, wir schicken den Blogbeitrag jetzt trotzdem mal raus in der Hoffnung, dass irgendein Foto angezeigt wird. Das Crewbild wird dann bald nachgereicht!

PPS: Lieber Andreas, falls du mitliest – alles Gute vorab zum Geburtstag, wir feiern spätestens am Samstag nach!

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