Eine Weltumsegelung – wenn aus Träumen Pläne werden

von Sail & Chill am 31.08.2019 / in Allgemein

Seit vielen Jahren schon hat Peter den großen Traum einer Weltumsegelung. Inspiriert durch Seglerlegenden wie Bobby Schenk, Jimmy Cornell oder Wilfried Erdmann und deren Geschichten. Aber auch durch den Gedanken, die Welt mit relativ bescheidenen Mitteln entdecken zu können. Durch den Wind voran getrieben zu werden. Aus den Ozeanen dieser Erde zu angeln. Kulturen und Orte zu besuchen, an die keine Straße führt, wo kein Zug hält, kein Flugzeug landen kann. Das Schiff zu unserem Zuhause fernab der Heimat wird. „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!“…

 

 

…So heißt es in dem schon hunderttausende Male gehörtem Zitat von Tommaso Campanella (das ich übrigens auch selbst seit ich schreiben kann in allen Poesiealben verewigt habe und immer noch als Wanddeko verwende). Es schreibt oder sagt sich so leicht. Der eine Traum lässt sich sicherlich auch einfacher ausleben als der andere. Einmal im Central Park zur Weihnachtszeit auf der Eislaufbahn eine Runde drehen und danach bei Victoria Secret die Kreditkarte glühen lassen. Mit den nackten Füßen im Sand und Blick auf den Sonnenaufgang am Ostseestrand tanzen. Noch einmal am Lagerfeuer sitzen und die alten Pfadfinderlieder singen. Machbar.

Manchmal liegt es nicht in unserer Hand, einen Traum zu verwirklichen, dann sind wir auf die Hilfe anderer angewiesen. Den 1. FC Köln die Meisterschale entgegen nehmen zu sehen. Kranke Menschen wieder gesund werden zu lassen. Oder die sechs Richtigen im Lotto zu haben.

Meistens aber sind wir es selbst, die aus einem (Lebens-)Traum das wahre Leben machen und diesen in der Realität verwirklichen können. Das ist wie gesagt bestimmt nicht immer einfach. Es gehört Mut dazu. Die Fähigkeit Visionen zu haben und Pläne zu machen. Aber auch die Kraft und Energie, sich gegen allgemeine gesellschaftliche Vorurteile und Ängste zu behaupten. Wie oft wurden wir schon gefragt, was wir denn nach der ganzen Segelei mal vorhaben? Wann wir einen „richtigen“ Job annehmen? Wie es mit der Rentenversicherung und Altersvorsorge aussieht? Ob wir unsere Familien und Freunde, die Heimat, das Leben zu Hause nicht vermissen, wenn wir mal wieder so lange weg sind?… 

Also erst mal hoffen wir, dass wir noch lange lange in tollen Ecken segeln und chillen werden. Falls das irgendwann mal vorbei ist, findet ihr uns wahrscheinlich auf einem Bauernhof (am See oder Fluss natürlich), wo wir Tiny Houses vermieten und mit unserem Golden Retriever und den Gästen abends am Lagerfeuer sitzen und Seemannsgarn Annekdoten erzählen 🙂 Bis dahin ist das, was wir machen, unser Job. Und den machen wir aus voller Überzeugung und mit Freude. Natürlich gibt es während einer Saison auch Momente, in denen wir die Lieben zu Hause vermissen, bei Familienfeiern fehlen, gerne in unserer Stammkneipe sitzen und bei dummen Geschwätz ein paar Kölsch trinken würden oder einfach nur mal wieder Karneval mit Freunden feiern.

Aber – wir haben nur dieses eine Leben. Und wir glauben beide daran, dass es zu kurz und zu wertvoll ist, um es mit Jammern oder Zögern zu verbringen. Oder mit dem Gefangensein in einer Erwartungshaltung. Oder mit Bereuen. Wir wollen uns nicht in 20 Jahren fragen müssen, was gewesen wäre, was wir versäumt haben, warum wir es nicht gewagt haben, was uns davon abgehalten hat. Keiner sagt, dass es leicht ist. Es werden sicherlich auch in den nächsten Jahren Momente kommen, in denen wir uns fragen, was wir hier machen. Aber es ist möglich.  Und deshalb – wagen wir es jetzt. Wir gehen auf Weltumsegelung!

Natürlich mit einem Plan. So deutsch, strukturiert oder vielleicht auch einfach vernünftig und verantwortungsbewusst sind wir dann doch.
„He man, wat is dä Plan?“ heißt es in einem Kölschen Karnevalslied. Auf Hochdeutsch: „Wie ist der Plan?“

Wir starten mit unserer Weltumsegelung im Dezember in Saint Lucia in der Karibik. 25.000 Meilen (ca. 40.000 km), drei Ozeane (Atlantik, Pazifik & Indischer) und vier Jahre später wollen wir zurück in Saint Lucia sein.

Warum vier Jahre, wenn der Weltrekord doch bei 40 Tagen (!) liegt? (aufgestellt von dem Franzosen Francis Joyon und seiner Crew 2016/2017)

Weil uns nicht nach einem Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde ist. Weil wir etwas sehen möchten von der Welt. Von all den schönen Orten, die auf dem Weg liegen. Weil wir Zeit haben möchten zum Verweilen, zum Entdecken, zum Segeln und zum Chillen. Um mit Schildkröten auf den Galapagos Inseln zu schnorcheln, eine Palme auf Aitutaki in der Südsee zu pflanzen, mit einem Glas Wein in der Hand den Ausblick vom Tafelberg in Südafrika zu genießen und in den brasilianischen Städten den Samba & Karneval zu erleben.

Um zwischendurch immer mal wieder nach Hause zu kommen. Denn so sehr wir das Leben auf dem Wasser auch lieben – die Heimat, Freunde und Familie lieben wir noch mehr.

Und plötzlich erscheinen vier Jahre gar nicht mehr so lang. Erst recht wenn man bedenkt, dass wir nächsten Sommer sogar einen „Abstecher“ ins Mittelmeer machen, um eben auch den Familien und Freunden die Möglichkeit zu geben, uns auf dem Schiff zu besuchen, eine Runde mitzusegeln oder einfach nur den Sommer in Europa zu genießen.

Danach geht es wieder zurück in die Karibik nach Saint Lucia. Denn hier startet im Januar 2021 die WorldARC, die von dem World Cruising Club organisierte Segel Rally um die Welt, der wir uns anschließen werden. Auch wenn der Begriff Rally wieder sportlich und nach Rekorden klingt – das Gegenteil ist der Fall. Die WorldARC ist eine Veranstaltung für jedermann. Für Menschen, Schiffe, Segler aus aller Welt. Für Segler wie uns, die lieber in einer Gemeinschaft fahren, von dem World Cruising Club begleitet und betreut werden und die besondere Atmosphäre solch eines Events (und auch einen relativ fixen Zeitplan) zu schätzen wissen. Schon bei der letztjährigen Atlantiküberquerung mit der ARC war die Atmosphäre einmalig. Kaum vorstellbar wie es erst auf einer Weltumsegelung wird. Das können wir euch dann in 1,5 Jahren sagen…

Was wir euch jetzt aber schon sagen können ist, dass uns die erste Hälfte der WorldARC von Saint Lucia über Kolumbien, durch den Panama Kanal, auf die Galapagos Inseln, hinein in die wunderschöne Südsee und bis an die Ostküste Australiens führen wird. Hier nehmen wir uns im Sommer 2021/2022 erst mal mit einigen anderen Booten ein Jahr Auszeit von der WorldARC, um auf mehreren Törns das berühmte Great Barrier Reef ausgiebig zu erkunden. 2022 schließen wir uns der Flotte dann wieder an. Es geht weiter von Australien in den Indischen Ozean (hier liegen die Weihnachts- und Cocos-Inseln, Mauritius, Réunion…) nach Südafrika. Nach dem Glas (oder Fläschchen) Wein auf dem Tafelberg wartet erneut der Atlantik auf uns. Dieses Mal starten wir aber wesentlich südlicher des Äquators mit Ziel Brasilien, wo wir hoffentlich pünktlich zum Karneval 2023 anlanden.

Von hier ist es nur noch ein gefühlter Katzensprung. Zumindest überqueren wir keinen Ozean mehr. Es geht zurück in vertraute Gefilde, die Karibik, über Grenada und die Grenadines (was wird das für ein Wiedersehen mit unseren Freunden dort vor Ort…) nach Saint Lucia. So Gott will werden wir dort im April 2023 in die Rodney Bay Marina, unser Heimathafen der letzten Jahre, einlaufen. Dann sind wir wieder da wo alles vor einigen Jahren schon begonnen hat. Wo die Wurzeln von Sail & Chill liegen. Wo der Traum von einer Weltumsegelung Wurzeln geschlagen hat und über die Jahre gereift und gewachsen ist. An dem Ort, an dem aus einem Traum nicht nur ein Plan, sondern Realität wurde (oder wird).

Manchmal reicht es jedoch nicht, zu zweit einen Traum zu haben. Dann braucht es Mitstreiter, Weggefährten, Unterstützer, in unserem Fall Mitsegler und -chiller. Deshalb gilt unser Dank an dieser Stelle allen, die uns auf dem Weg begleiten, an uns und unser Projekt Weltumsegelung glauben, die schon jetzt ein Teil davon sind und mit uns eine Strecke des Weges gemeinsam zurücklegen werden! Ob 400 oder 4.000 Meilen, ob Karibik, Mittelmeer, Südsee oder Indizischer Ozean – Danke, dass ihr dabei seid, denn ohne euch würden wir das nicht machen. Mit euch werden Träume wahr….

Ich war Zeit meines Lebens ein eher (ziemlich) spontaner und intuitiver Mensch, langfristige Pläne (wobei „langfristig“ für mich ungefähr gleichbedeutend ist mit „nächste Woche“) nie meine Stärke. Und doch hängt da gleichzeitig dieses Schild an meiner Wand. „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“. Ursprünglich war der Traum einer Weltumsegelung Peters Traum. Nun haben wir ihn zu unserem gemeinsamen gemacht. Und plötzlich tut langfristiges Planen gar nicht mehr weh, sondern gut. Es tut gut, ein Ziel zu haben. Die Verwirklichung eines Traumes zu realisieren oder es zumindest zu versuchen. Ob es uns gelingen wird? In ein paar Jahren werden wir es wissen. Was wir jetzt schon wissen – wir werden auf jeden Fall sagen können, wir haben es gewagt.

Zum Abschluss noch ein Zitat (ja, ich bin Zitate-Fan) von Steve Jobbs:

Life is limited, have the courage to follow your heart.

 

PS: Den genauen Törnplan für unsere Weltumsegelung findet ihr hier in den nächsten Tagen online (oder die ersten Etappen bis Australien schon jetzt auf Hand gegen Koje).

 

 

2 Kommentare

  • Gisela says:

    Liebe Katrin & lieber Peter,
    es ist wirklich mutig, dass ihr euch diesen Traum einer Weltumsegelung erfüllen wollt und es klingt PHANTASTISCH !!!
    Dazu wünschen wir euch von Herzen gutes Gelingen. Wir sind überzeugt davon, dass ihr das GEMEINSAM schafft!
    Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und SCHIFF AHOI!!
    Mama & Daddy

    • Sail & Chill says:

      DAAAANKE ihr Lieben, für eure Wünsche, die ganze Unterstützung, dass ihr an uns glaubt und uns auch vielleicht ein Stück auf dem Weg begleitet!!
      In Gedanken, telefonisch und auch digital hier ja auf jeden Fall 🙂
      Ihr seid die Besten!! Und gemeinsam ist alles möglich.
      Alles Liebe

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