Von einem Paradies ins nächste – mit Karma zu den Turks & Caicos

am 20.03.2019 / in Allgemein

Schweren Herzens hatten wir die Dominikanische Republik verlassen. So recht wollte hier keiner weg, eine Verlängerungsnacht war kurz angedacht, zu schön und entspannt die Atmosphäre vor Ort, zu nett, fröhlich und freundlich die Menschen hier. Für uns nach wie vor DIE positive Überraschung des Törns, kannten wir die Dom. Rep. doch bisher nur aus Erzählungen oder All-inklusive-Hotelaufenthalten. Dabei bietet das Land so viel mehr, ob von Wasser oder Land aus. Laut Erfahrung des Skippers soll es jedoch in den Turks & Caicos noch schöner sein. NOCH schöner?? Schwer vorstellbar. Aber letztendlich haben wir dann alle gemeinsam entschieden, uns selbst davon zu überzeugen. Nicht ohne uns, den Marineros (Hafenmeister) und Immigration Officern (die freundlichsten Behördenmitarbeiter, die wir jemals erlebt haben! Und wir kennen einige…) zu versprechen, eines Tages wiederzukommen. Also hasta la proxima, bis zum nächsten Mal, gracias und adios…

Raus ging es wieder aus der 20 Meilen tiefen Bucht. Nach keinen zwei Meilen, die Fender und Leinen waren kaum verstaut, haben wir bereits das erste Whale-Watching-Ausflugsboot neben uns. Ein gutes Zeichen, denn wo die sind, sind die Wale selbst auch nicht weit. Tatsächlich! Die erste Fontäne ist bereits in der Ferne zu sehen. Wer diese lange genug beobachtet, sieht auch irgendwann den Rücken des Buckelwales durch das Wasser gleiten. Beim Eintauchen wedelt die Fluke, wie ein Gruß zum Abschied. Wir können es noch gar nicht fassen, sind noch mitten in unseren Freudenjauchzern, als schon die nächste Fontäne aus dem Wasser sprudelt. So kann die Fahrt gerne weitergehen. Macht sie auch. Immer wieder erhaschen wir einen Blick auf diese faszinierenden Wesen, die träge gemütlich und doch irgendwie elegant durch´s Wasser gleiten.

Unser letzter Walanblick des Tages (und des Törns, wie sich zeigen sollte) ist der unglaublichste. Wir haben schon eine Weile keinen mehr gesehen, sind konzentriert auf den Kurs oder liegen entspannt im Cockpit und hängen unseren Gedanken nach, als plötzlich vom Steuerstand der aufgeregte Ruf „Wal, direkt hier, direkt am Schiff!“ ertönt. Bei „Wal…“ dachte ich noch, na gut, die haben wir ja jetzt schon ein paar Mal gesehen, kein Grund zur Aufregung. Aber direkt am Schiff? Was? Mein Blick fällt nach Steuerbord, und schon gleitet er vorbei, keine zehn Meter von uns entfernt! Zehn Meter, das ist gar nichts auf einem hunderte Meilen weiten Atlantik. Und nichts für ein Tier, das größer ist als unser Schiff breit! Wir stehen mit offenem Mund im Cockpit, fasziniert und mit gehörigem Respekt zugleich. Denn ein männlicher Wal hält ein Schiff auch gerne mal für eine weibliche Geschlechtsgenossin, die er versucht, mit seinem Balztanz zu beeindrucken. Das wäre dann doch ein bisschen zu viel des Guten. Aber dieser Wal ist friedlich, hat sich anscheinend schon ausgebalzt und zieht einfach entspannt weiter durchs Wasser. Wir schauen ihm noch eine Weile hinterher und danken dem Karma für diesen Moment. Was für ein Abschied aus der Dominikanischen Republik.

Zwischen dieser und den Turks & Caicos liegt mindestens eine Nachtfahrt, eher zwei, wie so oft abhängig von Wind und Welle. Auch diese waren uns wohl gesonnen und haben uns mit ordentlichem Tempo durch die Nacht geschoben. Eine zunächst sternenklare Nacht, mit zunehmendem Mond, in dessen hellem Strahl wir Meile für Meile zurückgelegt und Zeit und Müdigkeit fast vergessen haben. Bis zu dem Moment, als die Wachablösung schon im Cockpit saß, ich noch einen letzten Blick auf den Mondschein geworfen habe, um mich von diesem für heute Nacht zu verabschieden – und ein einzelner Delphin just in diesem Moment aus dem Wasser auftaucht, durch den Strahl des Mondes springt und wieder in der dunklen Tiefe des Meeres ein- und abtaucht! Mir fehlen jetzt noch die Worte bei den Erinnerungen an diesen Anblick. Ein weiteres Bild fürs Herz. Ein Gute-Nacht-Gruß des Karmas.

Das Karma war für die Nacht dann leider auch erst einmal erschöpft und die Wache für die Spätschicht (von 1 – 6 Uhr morgens) eine ziemlich feuchte Angelegenheit. Fünf Stunden Wache, 4,5 davon im strömenden Regen, unsere armen Mitstreiter, Skipper inklusive, durchnässt wie die sprichwörtlichen begossenen Pudel und froh, irgendwann endlich wieder in die warme und trockene Koje zu kommen.

Wind uund Wellen haben uns trotzdem kräftig weiter geschoben und unseren Durchschnitts-Speed nach oben getrieben. So war dann im Laufe des Tages und nach wohl verdientem Schlaf der Skipper-Wachcrew schnell klar, dass wir einen Plan B brauchen (Pläne sind die Spezialität des Skippers). Plan A wäre die Ansteuerung von Gran Turk gewesen, eine der Hauptinseln der Turks & Caicos. Die Turks & Caicos sind allerdings nicht nur für ihr türkises Wasser berühmt, sondern auch für unzählige Korallenriffe und Untiefen, in denen selbst im Tageslicht nur schwer zu navigieren ist. Durch unsere Geschwindigkeit wären wir auf Grand Turk statt am frühen Morgen aber bereits mitten in der Nacht angelangt. Das fehlte uns noch. Also Plan B – neues Ziel Sandy Cay, eine kleine Insel ca. 20 Meilen vor Grand Turk. Und der beste Plan B aller Zeiten!

Wir sind (wieder) im Paradies! Schon bei der Ansteuerung der Ankerbucht beginnt der Jubel. Die Gesichter der gesamten Crew strahlen. So was Schönes haben wir (fast) alle noch nicht gesehen. Von über 3.000 Metern dunkler Wassertiefe zeigt der Tiefenmesser plötzlich nur noch 16 Meter an. Je näher wir der Insel kommen, desto flacher wird es. Die Wasserfarbe wechselt von Dunkelblau zu Hellblau und Türkis, in allen Schattierungen. Das Wasser selbst ist glasklar, wir können jeden einzelnen Stein, jede Muschel auf dem Grund erkennen. Und auch die Korallenriffe, um die wir vorsichtig herum navigieren. Nun weiß ich auch, was „Eye-Ball-Navigation“ in der Realität bedeutet. Auf jedem Bug vorne sitzt einer, Blick auf den Grund, um dem Skipper erhöhte Steinformationen rechtzeitig zu melden. Ganz schön aufregend. Und ganz schön schön zugleich.

Der Anker fällt auf nur vier Meter Wassertiefe. Manöver beendet. Zeit für ein verdientes Ankerbierchen, zu dem wir uns am Bug versammeln, um gemeinsam den Anblick zu genießen, der sich vor uns, um uns herum und unter uns bietet. Voraus die Insel, ähnlich ein Mini-Barbuda, wer dort schon einmal war. Strahlendweißer Sandstrand, grüne Vegetationsstreifen, kleine Dünenhügel… hinter den Dünen bricht die Atlantikwelle rein, doch auf unserer Seite ist die See ruhig. Ruhig und türkis türkis türkis, wohin man auch blickt. Und das Beste – kein anderes Schiff, kein Mensch weit und breit. Hector und wir sind die einzigen in diesem Naturparadies, unfassbar.

Unfassbar auch der Sonnenuntergang, zu dem wir es rechtzeitig vor Anker geschafft haben, der ein ähnliches Farbspektakel bietet wie das Wasser, nur in Rot- statt Türkistönen. Und uns mit einem Green Flash belohnt, ein Phänomen, das nur sehr selten (meist wenn bei Tage gutes Wetter war) zu sehen ist. Im letzten Moment bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwindet erscheint der grüne Blitz und schießt in den Himmel, ein Anblick, auf den alle Segler, die abends die Sonne beobachten, heimlich hoffen.

Den endgültigen Beweis, dass es das Karma gut mit uns meint, erhalten wir dann (nach einem feucht-fröhlichen Cockpit-Abend, wobei der feuchte Teil dieses Mal nicht durch den Regen verursacht wurde ;-)) am nächsten Morgen. Während wir das Schiff klar machen zum Ablegen, erscheint wieder ein Ruf. Nein, kein Wal mehr, von denen haben wir uns doch verabschiedet (auch wenn sich die hier in der Gegend wohl ebenfalls noch tummeln sollen). Sondern ein einzelner Delphin, der in die Bucht geschwommen kommt, durch das türkise Wasser springt, auf Hector zu und wieder weg, abtaucht und sich immer wieder aufs Neue zeigt. Bestimmt 20 Minuten lang beobachten wir den Kleinen, als ob er auch wirklich jedem aus der Crew die ausgiebige Möglichkeit geben möchte, ihn zu sehen, zu fotografieren, Freudenschreie auszustoßen sobald sich die Nase aus dem Wasser zeigt.

Als wir dann irgendwannn Anker auf gehen und Kurs auf Grand Turk nehmen, kann sich keiner vorstellen, dass es noch schöner werden kann. Wird es aber. Die Bilder und Berichte dazu liefern wir hoffentlich in ein paar Tagen nach (WiFi Gelegenheiten sind hier etwas rar, sehr wohltuend). Bis dahin genießen wir noch das türkise Paradies und sind wieder einmal sehr dankbar, all das erleben zu dürfen.


2 Kommentare

  • Steve says:

    Ahoi Crew,

    Tränen. Ja, Tränen kullern mir aus den Augen während ich deine Zeilen lese.

    Tränen der Freude.

    Freude darüber, dass ihr die absoluten Highlites erleben dürft.Wale, Delphine und der grüne Schein!
    Tränen der Melancholie darüber, dass ich nicht bei euch bin.

    Doch wie heißt es so schön: Nicht weinen das die Zeit vorbei, lachen das sie gewesen!“ Und in meinem Fall wieder kommt.

    Weiterhin alles erdenklich gute wünscht euch euer Steve – der Hausgeist.

    • Sail & Chill says:

      Ach Steveee, du Piraten-Geist und gute Seele, danke dir!!
      Es wird Freudentränen geben, wenn du wieder bei uns an Bord bist und wir neue Ufer gemeinsam entdecken.
      Die Erinnerungen an die letzten Wochen bewahren wir bis dahin gut auf…
      Genieß das Leben weiterhin und bleib gesund!

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