Bilder fürs Herz – Sonnenaufgang vor der Dominikanischen Republik

am 13.03.2019 / in Allgemein

Es gibt Momente, die sich kaum in Worte fassen lassen. In denen die Welt still zu stehen scheint, jeder innehält, alle Blicke gemeinsam in dieselbe Richtung wandern, und doch ein jeder allein für sich ist mit seinen Gedanken. Momente wie zu diesem Sonnenaufgang vor der Dominikanischen Republik heute Morgen…

Die Nacht ist fast vorbei, es war eine sternenklare, die auf gutes Wetter und einen schönen Tag voraus deuten lässt. Es ist 6 Uhr morgens, Zeit für die Wachablösung. Am Horizont im Osten zeigt sich schon ein erster heller Streifen. Ich weiß, dass ich noch eine halbe Stunde Zeit habe, bis die Sonne sich zeigt, setze Kaffee auf, freue mich auf mein morgendliches Ritual. Erst mal langsam wach werden, die Welt erwachen sehen.

Wach ist auch noch ein Teil der Nachtwachen-Crew. Normalerweise verschwinden alle die können mit dme Wachwechsel in ihren Kojen, um die Zeit für ein paar Stunden Schlaf zu nutzen. Doch die Nacht war ruhig, die Stimmung gelöst, die Crew erholt. Und als wüssten sie, welch schöner Moment vor uns liegt, bleiben wir gemeinsam im Cockpit. Wir warten auf den Sonnenaufgang.

Lang kann es nicht mehr dauern. Aus dem hellen Streifen am Horizont ist ein breites Lichterband geworden. Die Konturen des Landes voraus sind klar erkennbar, die Nachtbeleuchtung brauchen wir nun nicht mehr, die Sicht ist frei. Das Lichterband dehnt sich bereits über den gesamten Himmel aus, taucht diesen in ein zartes helles Blau. Am Himmel selbst nur einzelne Wölkchen, die Prognose könnte Recht haben und uns einen schönen Tag bescheren.

Im Osten zeigt sich ein erster orange schimmernder Streifen, es wirkt, als ob dieser auf der Wasserkante liegt. Das Orange vermischt sich mit dem Blau des Himmels und führt zu einem unglaublichen Farbspektakel. Die Welt voraus scheint, als hätte sie jemand in eine Palette mit Pastellfarben getaucht. Die Wölkchen in einem zarten Rosa, die auf einem sanften babyblauen Grund liegen. Zu unserer Linken erstrecken sich die Hügellandschaften der Dominikanischen Republik. Wo sonst oft nur harte Felskanten und trockene Berghängzu sehen sind, ist nun ein Anblick geworden wie eine Szenerie aus „Herr der Ringe“. Ein leichter Nebeldunst liegt noch über den Bergkuppen, auch dieser pastellfarben. Der Dunst taucht die Hänge in einen milchigen Schleier, fast mystisch wirkt es.

Mein Blick wandert wieder gen Osten. In der Zwischenzeit ist aus dem orangenen Band eine rötliche Färbung geworden, die den Horizont erscheinen lässt wie ein Lagerfeuer. In der Mitte des Feuers schweben ein paar Wölkchen. Eine der Wolken erhält plötzlich einen rot-rosa Rand, als hätte ein kleines Kind mit einem dicken Stift die Konturen der Wolke nachgezeichnet. Wie eine Kinderzeichnung auch die Strahlen, die von dem Wölkchen und von der Wasserkante wegschießen, weg vom Wasser, hinauf in den Himmel. Ein Vorbote. Gleich ist es soweit…

Neben dem Wölkchen taucht plötzlich ein rot glühender Fleck auf. Dann geht alles ganz schnell. Aus dem Fleck wird ein Halbkreis, der auf dem Wasser zu liegen scheint. Der Halbkreis wächst, will sich zu seiner vollen Pracht ausbreiten, steigt höher und höher, aus dem glühend roten Fleck wird ein gelb-oranger Ball, der sein Licht entfaltet, uns mit seiner Helligkeit blendet, ich blinzel zum Horizont, will meinen Blick nicht abwenden.

Und dann ist der Moment, in dem die Welt für einen kurzen Moment still steht. Die Gespräche verstummen. Die Gedanken wandern.

Ich denke in diesm Moment an die geliebten Menschen, die nicht mehr unter uns sind. Denen der Anblick nicht vergönnt ist. Denen ich nicht mehr davon erzählen kann, wenn wir uns das nächste Mal wiedersehen. Weil wir uns nicht wiedersehen, nicht auf dieser Seite. Ich muss schlucken, ein paar Tränen verdrücken, bin traurig, und doch zufrieden und glücklich zugleich. Weil es diese Momente sind, die mich erinnern lassen, in denen ich den geliebten Menschen wieder ganz nah bin und die Sonne als Gruß von ihnen empfinde und empfange. Als Omen für einen schönen Tag.

„Here comes the sun, little Darling“ summe ich vor mich hin, wie immer, wenn ich die Sonne am Morgen das erste Mal sehe. Beim Summen denke ich schon drüber nach, wie ich diesen Moment, der sich doch eigentlich nicht in Worte fassen lässt, beschreiben könnte. Und mache noch schnell ein Foto für den Blog, auch wenn es der wahren Schönheit des Momentes nicht ganz gerecht wird. Die restlichen Bilder sind Bilder fürs Herz, für immer gespeichert auf meiner ganz eigenen Festplatte.

Die Welt und mit ihr die Crew ist mittlerweile erwacht, taghell scheint die Sonne und wandert langsam zu ihrem Zenit. Wir nehmen Kurs auf die Einfahrt zur Bucht. 20 Meilen ist diese tief und im Reiseführer beschrieben als beliebter Spot für das „Speed Dating“ der Buckelwale. Wir halten die Augen auf nach verdächtigen Bewegungen – und entdecken tatsächlich in ein paar hundert Meter Entfernung die ersten Fontänen! Noch warten wir, dass sich der Kopf des Wales oder gar sogar die Flosse zeigt. So kann der Tag aber beginnen.
Danke Sonne für diesen schönen Gruß!


2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.