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…in unserem Falle leider zweiteres. Wir haben den ursprünglichen Kurs auf
Mallorca korrigiert und sind mal wieder in Italien. Immerhin schon 240
Meilen weiter als beim letzten Stop und auf Sardinien. Den Grund seht ihr
auf dem Foto.

Das Foto zeigt den Auszug aus der Wind- und Wettervorhersage zwischen
Mallorca (der kleine hellblaue Fleck schräg links über „11 Uhr nachm.“) und
Sardinien (der größere lila Fleck rechts unten am Bildrand), Stand Montag
Abend 23:00 Uhr. Unsere geplante Ankunft in der Marina von Mallorca wäre am
Dienstag Morgen ca. 08:00 Uhr gewesen.

Das Problem: der dicke dunkel orangene Fleck zwischen den beiden Inseln.
Denn dieser Fleck steht für einen Sturm, der mit konservativ geschätzten 43
– 47 Knoten Wind (ca. 90 km/h) zwischen Mallorca und Sardinien durchziehen
wird. Also genau da, wo wir lang müssen. Und in den wir definitiv nicht
rein kommen wollen.

Also haben wir uns heute Morgen um 06:00 Uhr, als wir vor der Küste
Sardiniens endlich wieder Netz hatten, erst einmal im Cockpit zur
Lagebesprechung getroffen, Wetterdaten recherchiert, hin und her gerechnet
und zwei Alternativen besprochen.
Alternative a) wir erhöhen den Speed und schaffen es eventuell mit Biegen
und Brechen noch rechtzeitig nach Mallorca. Auf dem Weg dorthin werden wir
keine aktualisierten Wetterdaten bekommen und nicht beurteilen können, wie
sich der Sturm entwickelt. Sollten wir es nicht rechtzeitig schaffen,
müssen wir vor dem Sturm „flüchten“. Das würde uns irgendwo Richtung
afrikanische Nordküste treiben…
Alternative b) wir drehen ab und sitzen das Ganze mal wieder aus (damit
haben wir ja nun schon Erfahrung).

Das Risiko war schnell abgewägt und die einstimmige Meinung getroffen.
Sicherheit hat bei uns an Bord oberste Priorität. Und so bleibt nach
vernünftigem Ermessen nur Alternative b). Salute bella Italia, da sind wir
mal wieder. Dieses Mal im sicheren Hafen von Carloforte, einer
vorgelagerten Insel Sardiniens.

Natürlich war der Frust erst einmal groß. Unseren ersten Törn durchs
Mittelmeer hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt und mit weniger
verrückten, alle paar Tagen wechselnden Wetterbedingungen gerechnet. Hinzu
kommt noch, dass wir eigentlich am Dienstag und Mittwoch unsere erste Sail
& Chill Crew der Saison auf Mallorca aufnehmen wollten und uns darauf seit
Tagen schon riesig gefreut haben. Aber es nützt alles nichts. Wer segelt,
der ist abhängig von Wind und Wetter. Die Aussage „Der Wind kann dein
Freund oder dein Feind sein“ ist ein ständiger Begleiter. Den Wind zu
respektieren und zu verstehen das A und O.

So versuchen wir mal wieder das Beste draus zu machen. Carloforte scheint
ein ähnlich schönes Städtchen wie Castellamare del Golfo zu sein. Die
Marina bietet einen super Service, einen freundlichen Empfang (mit dem
süßesten, strahlenden Sunnyboy Marinero) und ausgiebige Duschmöglichkeiten
(nach zwei Tagen und Nächten unterwegs eine Wohltat).
Außerdem hoffen wir, dass sich unsere neue Crew trotzdem auf den Weg zu uns
machen wird. Sardinien oder Mallorca, Hauptsache Italien 🙂
Vielleicht werden wir dann ja auch dafür belohnt. Die Wettervorhersagen ab
Mittwoch sind jedenfalls auf unserer Seite. Und der Wind dann hoffentlich
unser Freund…
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am 22.09.2018 / in
Ausblick auf Straße von Messina
am 21.09.2018 / in
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