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Der erste Meilenstein bei den Vorbereitungen für die Saison und auf dem Weg ins Wasser ist geschafft. Eine Woche Arbeit in Preveza neigt sich dem Ende zu. Preveza ist übrigens eine authentisch griechische Stadt an der Westküste des Landes, mit kleinen bunten Gassen, die nach den Jasmin bewachsenen Dächern duften, einer lebendingen Uferpromenade am Yachthafen, eine Taverne neben der anderen, aus denen Musik und Gelächter klingt…

Die Atmosphäre der Stadt bekommen wir allerdings nur am Abend mit. Denn der erste Weg am Morgen führt uns täglich (nach einem Kaffeestop in einem der typischen kleinen Bistros, die mit einer Auswahl an griechischen Leckereien locken) in die Aktio Marina, eine riesen Hafenanlage direkt an der Golfmündung. Hier liegt HECTOR, der Katamaran, mit dem wir die kommende Sail & Chill Saison erleben werden. Momentan noch aufgebockt auf Stelzen an Land, damit wir auch von allen Seiten, von Backbord (links) nach Steuerbord (rechts), vom Bug (vorne) nach Heck (hinten), vom Mast bis zum Rumpf an ihn dran kommen, um unsere Arbeiten zu verrichten.

Vorbereitungen

Von diesen gibt es nicht zu knapp. Denn nach zehn Monaten an Land gilt es nun, das Schiff für die Saison vorzubereiten. Der erste Tag in der Marina begann gemeinsam mit den Eignern HECTORs erst einmal mit einer Bestandsaufnahme. Interessant, was sich über die letzten Jahre, in denen eine Familie an Bord lebte, hier so angesammelt hat. Vom 70er Jahre Toaster über Kindergitarren bis zu zehn Jahre alten Seekarten vom Mittelmeer haben wir das ein oder andere Fundstück ans Tageslicht befördert. Und mit Untergang des Tageslichts größtenteils entsorgt (die Angelruten, diverses Werkzeug und Rumgläser durften bleiben; da hatten Skipper & Eigner das letzte Wort), um Platz zu schaffen. Für unsere neuen Standup Paddle Boards, neue Kücheneinrichtung, frische Bettwäsche Garnituren, Kartenmaterial für Atlantik & Karibik…

 

 

 

 

Dann begann die eigentliche Arbeit. Denn HECTOR, so schön er auch jetzt schon ist, erhält vor seiner ersten Sail & Chill Ausfahrt ein komplettes Refit, quasi eine rundum-Beauty-Behandlung für Schiffe.

Hier ein kleiner Auszug aus der „50 Punkte auf dem Weg ins Wasser“ Liste:

  1. neues Rigg (das „Gestänge“ und Tauwerk/Leinen eines Schiffes, die den Mast stützen). Das alte war zwar noch intakt, aber etwas in die Jahre gekommen. Da viele Schiffs-Versicherungen für eine Atlantiküberquerung mindestens ein gewartetes Rigg voraussetzen, haben sich die Eigner direkt für ein neues entschieden. Dazu wird der gesamte Mast mit schweren Geschützen gelegt (abgebaut), alle Wanten und Stagen (das Gestänge aus Edelstahlseilen) vermessen und neu angebracht.
  2. neues und vor allen Dingen Wasser- und Sonnen undurchlässiges Bimini (der Stoff, der über dem Cockpitt & Steuerstand gespannt ist und Schatten zum Chillen bietet :-). Die alten, tlw. löchrigen Stoffbahnen, werden von ihrem Platz abgenommen, 1:1 vermessen und als Vorlage für den neuen schicken Stoff verwendet und das ganze Konstrukut noch mit zusätzlichen Lichtschutzbahnen ergänzt. So haben wir es im Cockpit bei jedem Wind & Wetter gemütlich.
  3. neuer Anstrich auf dem Deck und im Cockpit. Der aktuell aufgebrachte Anstrich in einem dunklen Grau heizt sich durch die Sonne so auf, dass wir uns nach max. drei Sekunden die Füße verbrennen. Zuerst dachten wir noch, das können wir ja locker selber streichen. Zum Glück haben wir aber die Meinung eines Experten eingeholt – der uns darauf hingewiesen hat, dass wir nicht nur ein paar Schritte vergessen, sondern wahrscheinlich auch die falsche Farbe gewählt hätten. Und er mit seinem Kollegen allein schon zwei bis drei Tage benötigen wird. Schön mit Profis zu arbeiten! Annekdötchen am Rande – derjenige, der Hector nun wieder einen schönen hellen Anstrich verpasst, ist derselbe, der im vergangenen Jahr die aktuelle Lackierung für den Vorbesitzer vorgenommen hat… fast karibische Verhältnisse hier 😉
  4. neue Schrankverkleidungen. Die oben erwähnten Fundstücke, der durch Salzwasser ansetzende Rost und die Jahre generell haben auch in den Schränken ihre Spuren hinterlassen. Da wir es aber frisch und sauber mögen und nicht außen hui, innen pfui, gibt´s nun auch ein neues Innenleben.

Die Liste geht weiter

Dann wären da noch so Themen wie

  1. Navigations Instrumente (Plotter, Lot…) checken
  2. Leinen überprüfen & austauschen
  3. Geräte & Systeme (Kühlschrank, Freezer, Bilgenpumpe, Batteriewächter, AIS…) testen
  4. Lichtertest
  5. Motoreninspektionen
  6. Dinghy Reinigung & Wartung
  7. neues Antifouling (Algen & Muscheln abweisende Farbe auf dem Teil des Rumpfes, der im Wasser liegt)
  8. Ankersystem testen (yeah, ein Edelstahlanker – die Zeiten des Rostregens bei jedem Ankermanöver sind vorbei)
  9. Schutzbleche am Rumpf neu montieren (schützen die Seeventile, aus denen Wasser austritt, vor den Wellen)
  10. Batteriebank prüfen
  11. Rettungsmittel erneuern
  12. Gasanlage warten
  13. Segel zur Wartung geben
  14. usw…

Die Aufgaben Liste hat die 50 Punkte zum Ende der Woche hin längst überschritten. Einiges konnten wir bereits selbst erledigen. Für manche Aufgaben brauchen wir  aber die Experten.

Ein Tag im griechischen Chaos

Diese sitzen aber natürlich nicht alle an einem Ort nebeneinander (wäre ja auch zu schön gewesen). Also haben wir den Tag nach unserer Bestandsaufnahme erst einmal damit verbracht, die jeweiligen Büros und Werkstätten abzuklappern, Kalender zu vergleichen, Termine zu vereinbaren, Stoffe auszuwählen, über Farbpaletten zu grübeln, uns mit verschiedenen Lackarten zu beschäftigen, die Baumärkte und Ship Chandleries (Baumärkte für Segler) zu plündern, den Rigger davon zu überzeugen, dass ein neues Rigg sehr wohl in dem gewünschten Zeitraum möglich ist, und und und…

Das Ganze begleitet durch strömenden Regen am Morgen (wenn´s hier regnet, dann richtig; Straßenchaos vorprogrammiert), 40 Grad und griechischem Berufs- und Ferienverkehr am Mittag (halb Europa macht anscheinend gerade Urlaub in der Gegend) und Mückenplage auf dem Trockendock am Abend. Das sind wir ja zum Glück schon aus der Karibik gewöhnt. Und wissen – nach Regen kommt Sonnenschein, und mit diesem die Gewerke, die alle an die Arbeit wollen.

Die letzten Tage

Daher gab es in den letzten Tagen dann auch noch ein fröhliches Kommen und Gehen. Ron der Allrounder, Roland der Elektrik Experte, Sophia die Reinigungsfee, der Edelstahl Ösi, der Bimini Mann, die Rigging Jungs, Panos the Painter…

Wir haben diverse Kontakte und Bekanntschaften geschlossen, vieles auf den Weg gebracht, selber zu viert an allen Ecken fleißig angepackt und können nach einer Woche sagen – wir haben ein ziemlich gutes Gefühl! Auch wenn es noch viel zu tun gibt (das hört auf einem Schiff ohnehin nie auf), freuen wir uns jetzt schon auf unseren nächsten Arbeitseinsatz. Wahrscheinlich fliegen wir in zwei Wochen wieder für die finalen Arbeiten nach Preveza, und dann ist es endlich so weit… HECTOR kommt ins Wasser, und der Weg durch das Mittelmeer über den Atlantik in die Karibik beginnt.

Den Abschluss einer erfolgreichen Woche haben wir dann übrigens noch standesgemäß an der Uferpromenade am Yachthafen verbracht, saßen in einer Taverne, aus denen Musik und unser Gelächter klang und haben sogar noch ein paar Stunden den Strand an der Westküste des Landes gesehen… Auf bald wieder!

In diesem Sinne, yassas & yammas!

 

 

 

von Sail & Chill / am 15.08.2018 / in
von Sail & Chill / am 08.08.2018 / in ,
von Sail & Chill / am 06.08.2018 / in